Foto: Jan-Pieter Fuhr

Mio, mein Mio

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gelungene Premiere am Staatstheater Augsburg
Er ritt auf einem weißen Pferd
Premierenbericht von Lina Mann

Mio, mein Mio
Das Staatstheater Augsburg zeigt Astrid Lindgren

Eine bunte, abwechslungsreiche Premiere und einen unterhaltsamen Nachmittag konnten die Zuschauer beim diesjährigen Familienstück zur Weihnachtszeit „Mio, mein Mio“ erleben.

 

Die Blechtonne vor dem roten Bühnenvorhang in der Interimsspielstätte im Martinipark wird wahrscheinlich bald ein Geheinmis verraten. Der Vorhang geht auf. Neben der Tonne steht ein Junge in einem viel zu großen, gestreiften Pulli. Dieser Junge fragt die Zuschauer: Habt ihr einen gewissen Bosse gesehen, einen verschwundenen Jungen? Seine Mutter ist tot, vom Vater weiss man nichts. Er hat nur einen einzigen Freund. Seine lieblose Pflegemutter schickte ihn zum Einkaufen. Er kehrte nicht zurück. Einfach verschwunden. Die Zuschauer erkennen bald: der Junge auf der Bühne ist Bosse selber. Aus der Tonne raucht und spricht es. Damit fängt seine Reise ins Land der Fantasie an. Er schenkt dem Tonnengeist einen golden Apfel und sogar noch seinen Pulli dazu. Der beschenkte Geist bringt Bosse zu seinem ersehnten Vater. Er ist König im Land der Ferne, wo er mit einer Leuchtkrone auf einer Schaukel sitzt. Sehr lange hat er auf seinen Sohn gewartet. Das farbige Bühnenbild mit der riesigen Ananas, dem Erkennungsmerkmals des Augsburger Staatstheaters, verwandelt sich in das Lande der Ferne. „Mio, mein Mio“, ruft der Vater. Mio? Aus Bosse wird Prinz Mio. „Ich hab dich lieb, mein Mio, sagt der Vater. “ Endlich, zum ersten Mal in seinem Leben, darf Mio eine wärmende Hand halten, die Hand seines Vaters. Er schenkt ihm den Schimmel Miramis. Und da ist noch Jum-Jum, ein Freund, der Einzige. Die beiden begegnen wunderlichen Gestalten, die ihnen helfen ihre Abenteuer zu bestehen. Geschwister auf einem Brunnen, in Form einer lustigen Tasse mit Füssen und Gesicht , dem Hirten Nonno mit seinen Flöten, einem misterösen Pflanzenwesen, und der magischen Weberin, die einen Traumstoff schenkt. Die Leichtigkeit beim Schaukeln vermittelt eindrucksvoll: das Glück, Mio ist heimgekommen. Auf der Bühne breitet sich poetische Harmonie aus. Die Idylle trügt. Im Hintergrund, auf der digitalen Landschaft, immer wieder der fliegende Trauervogel mit seinem Klagegesang: der böse Ritter Kato hat viele Kinder geraubt. Mio hört:“Es war einmal ein Königsohn, der ritt auf einem weissen Pferd mit einem einzigen Freund als Gefolge um den bösen Ritter zu besiegen und die Kinder zu befreien.“ Mio erkennt: ich bin gemeint; er bricht mit Miramis und Jum-Jum auf, reitet mit ihnen durch den Sternenhimmel, der sich über den ganzen Theaterraum erstreckt, hinüber ins Land „Außerhalb“, durch den Wald der Dunkelheit. Dort kreisen um die spitzen Gipfel viele Vögel. Es sind die von Kato verzauberten Kinder. Mio, Jum-Jum und Miramis landen im Land von Kato: „ Außerhalb“. Das Bühnenbild hat sich stark verändert sich nach der Pause. Ringsum ist Düsternis. Die farbige Ananas ist braun und faulig, der Wurm nagt an ihr. Dunkel und grau wirkt das Bild. Der große Fisch, Katos unheimliche Burg, hat drohend rote Augen. Mio will umkehren. Doch sein Freund Jum-Jum, macht ihm wieder Mut. Die Freundschaft schenkt Vertrauen. Sie besiegt Angst, Zweifel und Furcht. Auch im öden Land „Außerhalb“ trifft das heldenhafte Duo skurrile Figuren, die froh sind, dass endlich einer kommt, der ihren Unterdrücker besiegen will. Eno, hungrig und durstig, ein Skelett im Glimmer und Glitzergewand, verrät ihnen, dass Katos Herz aus Stein ist, dass nur durch das Wundschwert des Schmiedes zerstört werden kann. Er warnt sie vor den roboterartigen Spähern Katos, die überall lauern. Er wünscht Glück und bringt nicht die Zuschauer zum Lachen, als er Miramis, das Pferd von Mio, einen riesigen Haufen Schlagsahne nennt. Wie aus einem Vulkan taucht aus den Felsbrocken mit feuerroten Haaren der Schmied auf. Damit er Kato als Waffenhersteller dienen muss, wurde er an den Füßen gefesselt. Er überreicht sein bestes Schwert dem Prinz Mio. Endlich trifft dieser auf den Ritter Kato, die gruselige Gestalt mit einer Eisenhakenhand. Prinzenrolle futtern und teuflische Gedanken aushecken, die böse, böser am bösesten sind, vertreiben ihm die Zeit. Mio und Jum-Jum, von Kato eingesperrt, können mit dem Traumstoff entkommen. In Zeitlupe klirrt Schwert auf Schwert. Jetzt kommt mächtig Leben in die Bude. Mit den kleinen Zuschauern wird der böse Kato besiegt. Die Vögel sind erlöst, die Trauer hat ein Ende. Mio`s Vater freut sich über den Sieg seines Sohnes. 
Alle stimmen ins Lied ein: Es war einmal... Es wird dunkel. Nur der Lichterkranz von Mios Vater leuchtet. Das Licht der Fantasie siegt über die dunklen Mächte. Ein unterhaltsamer Astrid Lindgren Nachmittag „für groß und klein“ bleibt mit seinem gefühlvollen, sich der Atmosphäre anpassenden Bühnenbild und den faszinierenden Kostümen in Erinnerung. Zur Premiere gab es begeisterten Applaus für die Schauspieler, die teilweise mehrere Rollen spielten. 
In der Disco „Wald der Dunkelheit“ und mit einer Fotosession mit den Hauptdarstellern gings für die Kinder im Publikum munter weiter.
Vielleicht wird in dieser Disco auch der ABBA Hit gespielt: „The winner takes its all“.